Politik

Politik ist nicht alles, aber alles ist Politik

Eine gute Regierung ist wie eine geregelte Verdauung; solange sie funktioniert, merkt man von ihr kaum etwas. (Erskine Caldwell)

Neulich auf Facebook entflammte eine Debatte darüber, ob und warum manche denn alles politisieren müssten und ob man nicht einmal ohne Politik auskommen könne.
Ich warf ein, dass alles Politik sei.
Dass der Mensch als soziales Wesen, ob er nun wolle oder nicht, damit auch zwangsläufig ein politisches Wesen sei, und erntete Unverständnis.
Die Entrüstung war groß, schließlich gäbe es doch viele private Bereiche, die mit Politik nichts zu tun hätten.
„Nennen Sie mir einen“, bot ich an.
Die simple und zu erwartende Antwort folgte prompt:
„Sex“. Weiterlesen

Sinn und Unsinn von Patriotismus

 

Zuerst veröffentlicht auf FischundFleisch.com

Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.[Arthur Schopenhauer]

Heimlich, durch die Hintertür, rhetorisch geschönt und parfümiert hat er wieder Einzug gehalten in Deutschland:

Der Patriotismus Weiterlesen

Zum Putschversuch in der Türkei – Die seltsame Nachbetrachtung deutscher Medien und europäischer Politiker

 

Die Nacht von Freitag auf Samstag begann mit dramatischen Schlagzeilen:

„Putschversuch in der Türkei“ konnte man lesen. Kurze Sondersendungen informierten darüber, dass nach bisherigem Erkenntnisstand Teile des Militärs den Sender TRT gestürmt hätten, Flughäfen besetzt hielten, dass Kriegsrecht ausgerufen und eine Ausgehsperre verhängt hätten. Über das Staatsfernsehen TRT ließen die Putschisten die Erklärung verlautbaren, dass eine „Machtübernahme zur Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit“ geplant sei. Ein „Friedensrat“ solle vorerst allen Bürgern in der Türkei, „unabhängig von Rasse, Religion und Sprache“ Freiheit garantieren. (Quelle „Standard Live-Feed“). Mehr war bis dahin nicht bekannt. Spekuliert wurde viel, während immer wieder von Schüssen berichtet wurde.

Erdogan, zum Zeitpunkt des Putsches in Marmaris urlauben, rief umgehend seine Unterstützer zu Demonstrationen gegen den Putschversuch auf. Explosionen im Parlament folgten Aufstände von Erdogan – Treuen. Social – Media – Kanäle fielen (selbstverständlich unerklärlicherweise) aus.

Die türkische Regierung war schnell dabei, den Putsch für gescheitert zu erklären. Ministerpräsident Yildirim erklärte die Lage für „unter Kontrolle“. Und Erdogan selber, zurück vor Ort, ließ sich nicht nehmen, sich via TV inmitten seiner Anhänger zu präsentieren und zu erklären, die „Säuberung des Militärs“ von Laizisten fortsetzen zu wollen. Auch erklärte er, er erwäge die Wiedereinführung der Todesstrafe. Weiterlesen

Wahlkrimi

(Zuerst veröffentlicht auf FischundFleisch)

In Amerika haben die Kandidaten für das Präsidentenamt sich in Stellung gebracht und durften sich nach einigen Wahlkampfbemühungen dem ersten Stimmungstest stellen.

Beim Caucus stimmen Parteimitglieder bei vielen kleinen Treffen über ihren Wunschbewerber ab. Die Vorwahlen sind seit Montagabend in vollem Gange und Iowa mit seinen 99 Counties, traditionell der erste Staat in dem gewählt wird, hat sich auf Seiten der Republikaner mit Ted Cruz für seinen bevorzugten Präsidentschaftskandidaten entschieden. Gegen alle Erwartungen schlug der den Favoriten aller Umfragen, Donald Trump, um 3,4 Prozentpunkte. Insgesamt kam Cruz auf 27,7 Prozent der Stimmen, Trump auf 24,3 Prozent. Bei den Demokraten gab man mit übersichtlichen 0,2% Hillary Clinton knapp den Vorrang. Gesamtzahlen hier: 49,8% für Clinton, 49,6% für Sanders.

Während der Agrarstaat Iowa bis in die späten 60er als republikanische Hochburg galt, konnte man seitdem von einem Wandel zum „Swing State“, also einem relativ ausgewogenen Verhältnis zwischen der Wahl von Republikanern und Demokraten, sprechen. Seit 1988 hingegen gewannen beinahe ausschließlich Demokraten die Wahl, wobei hier George W. Bush die Ausnahme darstellte. Im Jahr 2004 gewann dieser, denkbar knapp mit 10 000 Stimmen Vorsprung, die Wahl. Weiterlesen

Politik ist nicht alles, aber alles ist Politik

Eine gute Regierung ist wie eine geregelte Verdauung; solange sie funktioniert, merkt man von ihr kaum etwas. (Erskine Caldwell)

Neulich auf Facebook entflammte eine Debatte darüber, ob und warum manche denn alles politisieren müssten und ob man nicht einmal ohne Politik auskommen könne.
Ich warf ein, dass alles Politik sei.
Dass der Mensch als soziales Wesen, ob er nun wolle oder nicht, damit auch zwangsläufig ein politisches Wesen sei, und erntete Unverständnis.
Die Entrüstung war groß, schließlich gäbe es doch viele private Bereiche, die mit Politik nichts zu tun hätten.
„Nennen Sie mir einen“, bot ich an.
Die simple und zu erwartende Antwort folgte prompt:
„Sex“.
Tatsächlich möchte man meinen, der private Raum sei eben privat.
Dem ist jedoch nicht so. Was hängt am Sex nicht alles, was politisch wäre:
Familienpolitik, Sozialpolitik, Wohnungspolitik.

Sehen Sie, um Sex zu haben müssen schon diverse Vorbedingungen erfüllt werden.
Gut wäre, Sie hätten eine Wohnung.
Nicht nur, dass diese simple Tatsache Ihre Chance auf einen potenziellen Sexualpartner maßgeblich erhöht, sie ist auch eine Frage der Politik.
Die politischen Entscheidungen, wer wo wohnen kann, soll und darf, treffen wir nicht privat.
Auch die Entscheidungen, die zur Höhe Ihrer Löhne führen, die dann erst mitentscheidend sind, wenn es bei Ihrer Wohnungssuche darum geht, welche Wohnung in welchem Stadtteil denn bezahlbar ist, obliegt nicht alleine Ihnen und ist ein Politikum. Weiterlesen