Heroin

Reden wir über…  Sucht

Interview mit Jonas M. (Name auf Wunsch anonymisiert), in der Vergangenheit heroinabhängig, derzeit in einem Substitutionsprogramm und auf dem Weg aus der Sucht.

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(Fotoquelle: Pixabay)

 

Viele Wege führen in die Sucht. Gelegentlich ist es simpler Gruppenzwang, das Bedürfnis, irgendwo dazuzugehören. Manchmal auch einfach nur Neugier. Viel öfter jedoch steckt dahinter eine Lebensgeschichte, die den Drang, dem eigenen Leben entfliehen zu wollen, seelischer Schmerzen Herr zu werden, begünstigt und verstärkt. Physische und psychische Gewalt im Elternhaus kann ebenso Auslöser werden wie Eltern, die selber konsumieren. Sei es nun Alkohol oder andere Substanzen. Natürlich ist, neben den soziologischen Gründen, oft auch eine physische Prädisposition vorhanden.

Aus der Sucht führen hingegen weit weniger Wege und meist sind diese alleine zu gehen. Wer, oft nach einer langen Drogenkarriere, erstmal beim Heroin angelangt ist, für den gibt es nicht mehr allzu viele Alternativen. Nicht wenige sterben. Sei es an einer Überdosis, an gepanschten Drogen, an Hepatitis und anderen Erkrankungen, zugezogen durch schmutzige Nadeln. Einige schaffen den kalten Entzug, ein leidvoller Weg, doch einer, an dessen Ende ein Leben ohne Drogen stehen kann.

Ein dritter Weg ist das Substitutionsprogramm. Hier wird durch die regelmäßige Verabreichung von Opioiden, die im Gegensatz zum Heroin nur schmerzlindernd wirken, jedoch kein „High“ erzeugen, und deren Gabe nach und nach reduziert wird, der Abhängige so behutsam wie möglich aus seiner Sucht entwöhnt.

Diesen Weg geht gerade Jonas M., der nach langen Jahren der Abhängigkeit allmählich wieder in einem Leben ohne Drogen Fuß fasst.

SusannahWinter: Hallo Jonas. Vielen Dank für deine Bereitschaft, so offen mit mir zu sprechen. Gerade das Thema „Sucht“ ist ja mit gesellschaftlicher Stigmatisierung verbunden. Umso wichtiger, Betroffenen, Angehörigen von Betroffenen und Menschen, die zwar keine Berührungspunkte mit Drogen und Drogensucht hatten, möglicherweise aber Vorurteile pflegen, Einsichten in Beweggründe, Erleben und Konsequenzen zu ermöglichen.

Zu den Fragen: Drogensucht soll zwar in gewissem Maße auch erblich sein, zumindest soll es eine gewisse Prädisposition gegeben, steht als Krankheit jedoch so gut wie nie nur für sich, sondern braucht Auslöser, die oft in traumatischen Erlebnissen, Kindheitstraumata, Erfahrungen liegen. Oft beginnen auch Süchte, Alkoholismus, Drogenkonsum bereits im Jugendalter, bzw. bei jungen Erwachsenen, jedoch nicht zwangsläufig. Es kann auch nach Trennungen, Verlusten, schwierigen Lebensphasen zum Suchteinstieg kommen. Was würdest du heute als Ursache für deine Sucht ausmachen? Gibt es eine Vorgeschichte?

Jonas M.: Als ich zwölf war, meine beiden Brüder gerade zehn und elf, ließ meine Mutter sich von meinem gewalttätigen und alkoholkranken Vater scheiden. Von meinem Familienleben kann ich also nicht viel erzählen da ich nach meinem siebzehnten Lebensjahr fast keines mehr hatte. Ich wollte meiner alleinerziehenden Mutter nicht mehr zur Last fallen und zog mit siebzehn von zu Hause aus. Weiterlesen