Autismus

Reden wir über…  Autismus

INTERVIEW MIT Karl Hollerung, Autist

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(Karl Hollerung)

 

Spätestens seit dem Film „Rain Man“ ist der Begriff „Autismus“ den meisten bekannt. Leider hat aber eben auch dieser Film, wie so viele andere Klischeedarstellungen autistischer Menschen, ein Bild von Autismus in den Köpfen gefestigt, das der vielfältigen Realität der meisten Autisten nicht gerecht wird. Das Bild des schaukelnden, in sich gekehrten Inselbegabten, dessen Leben ohne fremde Hilfe nicht zu meistern ist macht es vielen Autisten schwer, in der Gesellschaft Fuß zu fassen.

Fragt man: „Was ist Autismus“, so erhält man auf der Seite „Autismus Deutschland e.V. – Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus“ folgende kurze Erklärung:

„Autismus ist eine komplexe und vielgestaltige neurologische Entwicklungsstörung. Häufig bezeichnet man Autismus bzw. Autismus-Spektrum-Störungen auch als Störungen der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die sich auf die Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und des Verhaltensrepertoires auswirken.“

Es gibt einige typische Merkmale, die in unterschiedlicher Ausprägung auftreten.

Zu nennen wären:

  • Schwierigkeiten in der Kommunikation und sozialen Interaktion
  • Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten, die zwanghaft wiederholt werden und Probleme mit plötzlichen Veränderungen im Alltag
  • Eine atypische Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinneseindrücken, die oft intensiver und reicher ist, als es der „Norm“ entspricht.

Und doch gleicht kein Autist dem anderen. Jeder von ihnen erlebt Autismus als etwas ganz Persönliches, Individuelles.

Karl Hollerung ist einer von ihnen und bereit, uns einen kleinen Einblick in sein Erleben zu gewähren:

Susannah Winter:  Besteht deine Erkrankung von Geburt an? Wenn nicht, wann traten die ersten Symptome auf, wie sahen diese aus? Autismus wird ja, je nachdem wie stark die Ausprägung ist, typischerweise bereits in den ersten Lebensmonaten diagnostiziert, gelegentlich allerdings auch erst in späteren Lebensjahren. Wann gab es in deinem Fall die Diagnose und durch wen?

Karl Hollerung:  Als erstes möchte ich klarstellen, dass Autismus eine andere Art der menschlichen Wahrnehmung und der menschlichen Kommunikation ist. Autist ist man auch sein Leben lang, von der Geburt bis zum Tode. Aus diesen Gründen kann man nicht von einer Erkrankung sprechen. In der heutigen, zunehmend chaotischen Welt wird eine autistische Wahrnehmung jedoch zu einem immer größer werdenden Problem, weshalb man heute durchaus von einer Behinderung sprechen kann. Ich denke, dass dies in früheren Zeiten anders gewesen sein dürfte. Weiterlesen