Kneipe statt Hörsaal

Kneipe statt Hörsaal

Gestern lud die „FOM – Hochschule für Berufstätige“, in Kooperation mit der Bar „Bardru twentyfive“ in der Königsstraße, zum dritten Teil ihrer Veranstaltungsreihe „Kneipe statt Hörsaal“.
40 Interessierte folgten der Einladung der charmanten Geschäftsleitung, Dr. Daniela Recker, und fanden sich ein zu einem Abend, der ganz unter dem Zitat Dantes stehen sollte:

„Zu was kannst du die Menschenbrust nicht zwingen, verfluchter Durst nach Gold, der uns betört.“

Was sind Geld und Gold? Wie entstanden sie? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat unser Zahlungssystem? Und nicht zuletzt: Was macht das Geld aus dem Menschen?
Diesen Fragen ging der Vortrag von Dr. Rüdiger Grimm, Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FOM, nach.
Zumeist sehr humorig und anschaulich ging er auf die Entstehung des Goldes ein, dessen Gewinnung. Ebenso die Schaffung ersten Münzgeldes und seine Verbreitung. Die sprachliche Herkunft des Wortes „Geld“ wurde ebenso erläutert, wie die verschiedenen Formen des Geldwertes, der Geldwertschöpfung und die modernen Erscheinungsformen des Geldes, von Scheinen bis hin zum Giralgeld.

Während einer kurzen Einführung in die Theorie der Ökonomie durften Adam Smith, Walter Ullman und John Maynard Keynes selbstverständlich nicht fehlen.

Etwas ausführlicher wurde es dann, als die Sprache auf heutige Auswirkungen der Geldschöpfung kam. Ursachen und Folgen der Inflation wurden erörtert. EZB und Leitzins sowie Inflationsantizipation thematisiert. Es wurde anschaulich. Alte Kurantmünzen (Taler, Goldmünzen aus USA und Australien) wurden herumgereicht. Ebenso Reichsmark – Scheine, durch die Inflation bis auf eine Milliarde aufgebläht.
Auch konnte man einen Blick auf die Geldscheine der ehemaligen DDR werfen, die weit kleiner und schmaler als unsere Euroscheine waren und ein wenig wie Spielgeld anmuteten.

Mehr hätte man in die zwei Stunden sicherlich nicht packen können. Der Vortrag war gut strukturiert, informativ und lehrreich.

Zu kritisieren gälte lediglich, dass z.b. „Wirtschaftsethik“ zum Oxymoron erklärt und mit einem Satz beiseitegewischt wurde („Es gibt nur Profite oder keine Profite“), was so mal eben eine ganze wissenschaftliche Disziplin für irrelevant erklärte (und mit ihr die Bemühungen um ethisches Handeln im Ökonomischen). Anhand von Einzelbeispielen (Steinbrücks Nebenerwerbe, Obamas Redehonorare nach seiner Amtszeit) wollte sich diese Aussage untermauert sehen, mochte den Hinweis auf mangelnde statistische Relevanz jedoch nicht aufgreifen. Der Vergleich taugt in etwa so sehr, wie Straftäter als Beweis für die Nicht-Existenz möglichen ethischen menschlichen Handelns heranzuziehen. So hätte man Herrn Dr. Grimm als Gegenbeispiel z.b. José Murica (ehemaliger Präsident Uruguays, spendete 90% seines Gehaltes dauerhaft an soziale Organisationen) anführen können um damit den „Beweis“ gegeben zu sehen, „der Mensch sei von Grund auf sozial“. Die Fragwürdigkeit beider Aussagen zeigt wohl auf, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte zu verorten ist und Wirtschaftsethik, gerade im Hinblick auf die Frage nach den Machbarkeiten einer ethischen und funktionsfähigen Gesetzgebung im Ökonomischen, unverzichtbar ist und bleibt.

Zudem mochte Herr Dr. Grimm beim Blick auf die Länderverschuldung („Wem nützt die Inflation? Den Schuldnern!“) bedauerlicherweise nicht darauf verzichten das, dieser Tage so unerträglich übliche, Griechenland-Bashing aufzufahren und von Griechen zu fabulieren, die es sich im Kollektiv zu gut gehen ließen. Dabei hätte die eigene, vorgetragene Statistik zur Staatsschuldenquote hier schon zur Vorsicht mahnen können: So ist die Verschuldung der Türkei weit geringer als die Deutschlands. Nicht nur eine Frage der Produktivität, der „harten Arbeit“, sondern Ergebnis vieler Faktoren, von denen die Frage nach Arbeitsamkeit nur eine ist.

Hier blieb dem kritischen Zuhörer nur, den Eingangstipp des Professors zu beherzigen und der „vertikalen Bildung eines Experten“ nicht allzu sehr zu vertrauen und die Aussagen als Denkanstoß zu verstehen, von dem aus selbstständig weitergelernt werden kann und darf.

Alles in allem bleibt jedoch zu konstatieren, dass die Veranstaltung äußerst gelungen war. Jede Form der zugänglich gemachten Bildung, zudem kostenfrei und in einem Ambiente, das dem einen oder anderen vielleicht das Hemmnis „öffentliche Einrichtung“ nimmt, ist wünschenswert und ein Zugewinn.

Gerne mehr davon!

 


(auf dem Foto Dr. Daniela Recker, Prof. Dr. Rüdiger Grimm)

 

(Webseite der FOM: https://www.fom.de/hochschulzentren/hannover.html )

 

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Vielen Dank fürs Teilen
Posted on: 14/06/2017SusannahWinter

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